Über korsischen und sizilianischen Gesang

Es begann als Leidenschaft. Eine Leidenschaft für eine mündliche Tradition die tief in der Landschaft verwurzelt ist. Eine Liebe für Melodien, die die Härte und die Rauheit eines Landes, wie auch einen bestimmten Geistes und Seinszustand evozieren.

Die Lieder erzählen von einem „Zusammen Sein“,  vom Verhältnis verschiedener Körper; dem Individuellen, dem Kollektiven, von Landschaften…

Wir begannen, initiiert von Clelia Colonna, mit Liedern aus Korsika und wandten uns später durch einen Impuls von Irene Coticchio auch den sizilianischen Liedern zu. Auf beiden Inseln, liegt das traditionelle Singen, soweit man erinnern kann, im Zentrum des gesellschaftlichen Miteinanders. Sänger sind weder Amateure noch Professionelle, sie dienen einer sozialen,  kulturellen Notwendigkeit. Polyphone Gesänge entstehen aus Eigeninitiative und gegenseitiger Verantwortung. Es gibt keinen Dirigenten, Interaktionen passieren kollektiv und organisch. Jede Stimme hat eine bestimmte Rolle und ist auf die anderen angewiesen. Es gibt eine Interaktivität, ein konstantes Verhandeln zwischen dem Individuum und dem Kollektiven; dem Einen allein und dem Gemeinsamen- der Polyphonie.

Dieser Aspekt des Gesangs als ein gemeinschaftlicher und individueller Akt, ist untrennbar verbunden mit dem was Aristoteles Philia nannte: Der Anerkennung des Anderen als Basis des sozialen Miteinanders und der Freundschaft.

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